Der Schwarzmarkt

Der Schwarzmarkt

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Redactie 12 Dezember 2016 242

Schon vor dem Krieg war Belgien für seine Lebensmittelversorgung auf Importe angewiesen. Während des Krieges kamen diese zum Erliegen, was die Ernährungslage schon bald äußerst angespannt machte. Initiativen wie das Nationale Hilfs- und Ernährungskomitee waren ein Pflaster auf die Wunde, aber keine vollständige Lösung. Lebensmittel, aber auch beispielsweise Brennstoffe zum Heizen blieben Mangelware in Belgien.

Die Besatzer versuchten darum, die Bevorratung der Bevölkerung effektiver zu organisieren. Bereits im November 1914 führten sie eine Brotrationierung ein, und viele andere Produkte sollten folgen. Die wichtigsten Lebensmittel und Brennstoffe wurden also in einer festgelegten Menge pro Einwohner verteilt. Die offiziellen Rationen reichten jedoch kaum zum Überleben.

'Rantsoenen', Het Vlaamsch heelal: katholiek - zondagsblad, 8 september 1917, p. 2

'Rantsoenen', Het Vlaamsch heelal: katholiek - zondagsblad, 8 september 1917, p. 2

Der zunehmende Mangel ließ auch die Preise steigen. Das versuchten die Deutschen durch festgesetzte Höchstpreise für viele Produkte unter Kontrolle zu halten. Ein Rezept, das keine Lösung bot, denn es beinhaltete keine Antwort auf die Ursache der Preissteigerung, nämlich den Nahrungsmangel. Wer es sich leisten konnte, wollte mehr als die offiziellen Rationen, und so überstieg die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Sehr viele Güter gelangten dadurch nicht in die Regale der Geschäfte, sondern wurden auf dem Schwarzmarkt illegal und zu einem Vielfachen der offiziellen Preise verkauft.

Viele Bevölkerungsschichten waren am Schwarzmarkt beteiligt. Die Käufer waren hauptsächlich reiche Städter, der Zwischenhandel wurde von arbeitslosen Arbeitern oder der ruinierten Mittelklasse abgewickelt. Besonders aber die Bauern verdienten beträchtlich am Schwarzhandel. Zwischen Kriegsbeginn und August 1918 wurden die Produkte auf dem Schwarzmarkt durchschnittlich gut fünfzehnmal teurer! Im selben Zeitraum verzehnfachten sich die Sparrücklagen bei den Banken für Landwirte. Obwohl die Besatzer versuchten, streng gegen alle Formen des Schwarzmarkts vorzugehen, gelang es ihnen nie, diesen im Zaum zu halten.