Die Wache an der Yser oder große Offensiven?

Die Wache an der Yser oder große Offensiven?

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Redactie 03 September 2015 60
Im Vergleich mit der britischen oder französischen Armee zählte die belgische Armee viel weniger Verluste. Während in Belgien etwa 3,75% der mobilisierten Soldaten starben, lag diese Ziffer bei den britischen und französischen Armeen bei 10,3% und 16,8%. Dies resultierte einerseits aus strategischen Entscheidungen der obersten Führung und andererseits aus dem physischen Zustand des Frontabschnitts. 
 
Die Wache an der Yser
 
Die belgische Armee besetzte das Frontgebiet zwischen Nieuwpoort und Diksmuide. Um den deutschen Vormarsch zu stoppen, sorgte die belgische Armee im November 1914 dafür, dass ein Teil des Ysertals überschwemmt wurde. Daraufhin grub sich die belgische Armee an der Böschung der Eisenbahnlinie auf der linken Uferseite der Yser ein und die deutsche Armee auf  der rechten. Vier Jahre lang blieb die Stellung nahezu unverändert. In dem sumpfigen und nassen Terrain war graben schwierig. Die belgischen Schützengräben waren somit auch größtenteils überirdisch mit Hilfe von Sandsäcken und Grassoden errichtet worden. Große Angriffe, bei denen Soldaten in breiten Linien durch das Niemandsland marschierten, fanden nicht statt. Um woanders hinzugelangen, musste man Fußgängerbrücken oder Boote verwenden. Es fanden aber schon regelmäßig Überfällen im Niemandsland von kleineren Gruppen auf vorgeschobene Posten statt – häufig Bauernhöfe oder höher gelegene Stellen. Der größte Teil der Zeit bestand für den Frontsoldaten jedoch aus nervendem Warten. Das stillstehende Wasser verursachte auch häufig Krankheiten unter den Soldaten. 
 
Große Offensiven
 
Nicht nur die Landschaft machte großangelegte Angriffe unmöglich, es war auch eine bewusste Entscheidung des Oberbefehlshabers König Albert. Er wollte seine Soldaten nicht in den großen Angriffen einsetzen, in die die britischen und französischen Befehlshaber ihre Soldaten schickten. Die britischen und französischen Befehlshaber glaubten stark an die Kraft der Zahl. In den großen Offensiven wurden in Wellen so viele Männer wie möglich ins Niemandsland geschickt – ein Versuch, die deutschen Linien zu durchbrechen.  Diese Strategie sorgte häufig für immense Verluste – allein bei der Schlacht um Passendaele starben 245.000 Briten – zugunsten eines relativ kleinen Gewinns an Boden. 
 
Sehenswert!
In dem „Memorial Museum Passendaele 1917“ werden alle Informationen über die Offensive der Briten und Franzosen aufgearbeitet.
Pilstraat 5a, 8980 Zonnebeke