Grenze unter Strom: Die Grenzschließung zwischen Belgien und den Niederlanden

Grenze unter Strom: Die Grenzschließung zwischen Belgien und den Niederlanden

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Redactie 03 September 2015 128
Das Grenzgebiet zwischen dem besetzten Belgien und den neutralen Niederlanden wurde alsbald ein Schmugglerparadies. Es gab dort einen regen Verkehr an Briefen, militärischen Informationen und Lebensmitteln. Auch junge Männer, die sich der belgischen Armee anschließen wollten, überquerten die Grenze. Daraufhin beschlossen die Deutschen ab dem Frühjahr 1915, dies zu verhindern. Sie bauten einen Stacheldrahtzaun von mehr als 323 Kilometern Länge, der unter 2 000 Volt Strom gesetzt wurde. In regelmäßigen Abständen standen Kontrollstationen, wo die Deutschen im Auge behalten konnten, ob es irgendwo Stromunterbrechungen gab oder Kabel durchgebrannt waren. Ab und zu gab es schwer bewachte Grenzübergänge, an denen die Grenze doch noch überquert werden konnte, wenn man die richtigen Dokumente bekommen hatte.
 
Auch wenn der „Todesdraht“ eine abschreckende Absperrung war, ließen sich die meisten Schmuggler und „Passanten“ dadurch nicht wirklich abschrecken. Sie erfanden allerlei Möglichkeiten,  um doch noch durch den Draht zu kommen: Leitern, Gummihandschuhe, Tonnen, die zwischen die Stromdrähte gesteckt wurden, … . Aber da nur wenige Menschen mit den Gefahren der Elektrizität vertraut waren, gab es relativ viele Opfer, auch, weil die deutschen Grenztruppen auf jeden schossen, der versuchte den Draht zu überwinden.