Schützengrabenblätter: letzte Verbindung mit der Heimat?

Schützengrabenblätter: letzte Verbindung mit der Heimat?

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Redactie 23 Juni 2016 161

Das Gros der ausländischen Soldaten an der Westfront konnte recht leicht Kontakt mit Verwandten und Freunden unterhalten. Sie schrieben und erhielten Briefe, und manche nutzten ihren Militärurlaub, um kurz nach Hause zu fahren. Die meisten belgischen Soldaten konnten das nicht, denn durch die Front waren sie von ihren Lieben im besetzten Belgien abgeschnitten. Für sie war jeder direkte Kontakt mit Zuhause vier Jahre lang unmöglich.

Nach der Stabilisierung der Front war die Hoffnung auf ein rasches Ende des Konflikts verflogen. Mit diesem Bewusstsein wuchs bei den belgischen Soldaten die Sehnsucht nach Nachrichten aus der Heimat. Sie wollten wissen, wie es ihren Verwandten und Freunden, ihrem Dorf oder ihrer Stadt erging. Um diese Not zu lindern, entstanden schon bald die ersten Schützengrabenblätter, geschrieben für und von Menschen aus demselben Dorf, derselben Region oder Gemeinschaft.

Diese kleinen Zeitungen sammelten Berichte aus der Heimat, meist beruhend auf Informationen, die per Brief – über die Niederlande und England – hinter die Front gelangt waren. Für große Weltnachrichten war in den Schützengrabenblättern kein Platz. Sie enthielten hauptsächlich lokale und triviale Berichte, angefangen bei Eheschließungen und Sterbefällen im Dorf bis hin zu den Preisen für Eier und Brot. Daneben boten die Schützengrabenblätter ihren Lesern die Möglichkeit, Erfahrungen mit Schicksalsgenossen zu teilen. Sie veröffentlichten Berichte von Soldatenurlauben in Lourdes oder von persönlichen Erlebnissen im Schützengraben. Und sie waren das Medium zur Anbahnung informeller Begegnungen. So erschienen bisweilen Ankündigungen von geplanten Zusammenkünften für Menschen aus bestimmten Regionen oder Dörfern.

Häufig waren Militärgeistliche die treibende Kraft hinter den Schützengrabenblättern. Sie nutzten das Medium nicht nur, um den Nachrichtenhunger ihrer Leser zu stillen, sondern auch zur Durchsetzung ihrer eigenen katholischen Agenda. Die meisten Schützengrabenblätter haben darum einen sehr moralisierenden Ton. Sie warnten die Soldaten unaufhörlich vor Ausschweifungen und einer Verlotterung der Sitten an und besonders hinter der Front.

Activiteit

Expo: Klein nieuws uit de Groote Oorlog / Small news items from the Great War. News from the (home) front / Petites nouvelles de la Grande Guerre: nouvelles du front et de l’arrière

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