Flamenpolitik und Aktivismus

Flamenpolitik und Aktivismus

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Redactie 24 octobre 2016 259
Deutschland glaubte während des Ersten Weltkrieges an ein Teile-und-Herrsche-Prinzip. Durch das Sähen von Zwietracht sollte die deutsche Position gestärkt werden.  Die Flamenpolitik bildete einen integralen Bestandteil dieser Strategie. 
 
Der deutsche Besatzer wollte den französischen Einfluss zurückdrängen. Hierzu errichtete er unter anderem eine niederländischsprachige Universität in Gent und föderalisierte die Belgischen Einrichtungen. Dies ist etwas von dem im einheitlichen Belgien vor dem Krieg nie die Rede war.  Ein flämisches Beamtentum sollte einen bleibenden Puffer gegen das französische Übergewicht bilden. 
 
Die Aussicht auf mehr flämische Autonomie sorgte auch für einen Zwiespalt innerhalb der Flämischen Bewegung.  Die Mehrheit der Flaminganten war der Ansicht, dass die Beschwerden der Flamen bis nach dem Krieg warten müssten. Sie wurden die Passivisten genannt: nach ihrer Meinung sollte das Kriegsbeil mit der französischsprachigen Bevölkerung begraben werden und die Kräfte gegen den gemeinsamen Feind vereinigt werden. Eine kleine Gruppe – die Aktivisten – wollte die Chance auf mehr flämische Autonomie nicht vertun und arbeiteten aktiv mit dem Besatzer zusammen. Sie hofften, die Unabhängigkeit Flanderns so beschleunigen zu können.
 
Der Besatzer gab den Aktivisten Hoffnung, aber ließ ihnen in der Praxis wenig Raum, um wirklich etwas zu realisieren. Während einer Mission einiger führender Aktivisten nach Berlin wurde schmerzhaft deutlich, wie wenig sie auf die deutsche Unterstützung rechnen konnten – sie bekamen keine einzige konkrete Zusage.
 
Die Aktivisten, circa 0,8% der belgischen Bevölkerung, erreichten während des Krieges wenig und konnten auch mit wenig Sympathie rechnen. Als sie Stellungen übernahmen, die zuvor von weniger bereitwilligen, nun entlassenen oder deportierten Beamten ausgefüllt worden waren, machten sie sich zunehmend unbeliebt. Für die meisten Menschen war der Aktivismus vor allem ein Verrat an den Soldaten, die an der Front ihr Leben im Krieg gegen Deutschland gaben. Und doch sollte der Einfluss des Aktivismus auf einen längeren Zeitraum hin nicht unterschätzt werden: das flämische Bewusstsein wurde intensiviert, wodurch die Flämische Bewegung wuchs.
 
Sehenswert!
Die IJzertoren, die als Symbol für die flämische Befreiung gelten
IJzerdijk 49, 8600 Diksmuide
Das Museum in der Kaplanswohnung des flämischen Aktivisten Cyriel Verschaevve, in dem die Geschichte der Flämischen Bewegung während des Ersten Weltkrieges erzählt wird.
St.-Rijkersstraat 22, 8690 Alveringem